Kirsten Biema New Work

New Work ist keine Frage der Technologie

Immer wieder begegne mir die Aussagen, dass New Work nur eine Anhäufung von Buzzwords sei und man kein Geld für diesen ganzen technischen Kram habe. Um es vorweg zu nehmen... beide Aussagen sind falsch, weil sie auf einem falschen Verständnis von New Work aufbauen, denn New Work ist in erster Linie eine Frage des Mindsets. New Work stellt im Grunde unser ganzes bisheriges Verständnis respektive die bisherige gelebte Praxis von Arbeit auf den Kopf. 

New Work ist eine Frage der inneren Einstellung

Ich gebe zu, als ich das Schlagwort New Work das erste Mal las, war ich skeptisch. Mein erster Gedanke war, wieder eine neue Modeerscheinung, die sich nach kurzer Zeit wieder verläuft. Doch ich gebe zu, ich habe mich geirrt.

New Work ist im Grunde eine neue Weltanschauung und ein komplett neues Verständnis von Arbeit. Sinn, Selbstverwirklichung und Nachhaltigkeit sind damit keine leeren Worthülsen mehr, sondern Dreh- und Angelpunkt dieser neuen Glaubenssatzgeneration. Dabei will ich die Ansätze nun nicht als etwas esoterisches oder spirituelles einordnen. Es geht vielmehr darum, mehr Bewusstheit in die Arbeitswelt zu bringen. 

In einer Zeit, in der die technische Entwicklung unser Verständnis der Zusammenhänge fast täglich überholt, ist eine neue Definition von dem, wer wir sein wollen, was für uns Sinn und Zweck von Arbeit ist und wie wir zukünftig leben und arbeiten wollen, unumgänglich.

Digitale Transformation sorgt für eine Veränderung

Noch vor gut zwei Jahren wurde ich in einem Workshop von einem Teilnehmer darauf hingewiesen, dass die Frage nach dem Sinn und der Selbstverwirklichung wohl mehr ein Luxusproblem von gutgestellten Managern sei. Damals mag meine Frage in der Tat nicht für alle Mitarbeiter und Bevölkerungsschichten relevant gewesen sein. Doch heute - wo immer mehr Jobs durch die digitale Transformation wegfallen oder sich verändern - ist sie aktueller denn je. 

Fast täglich verändern sich Jobprofile, Kompetenzansprüche und Anforderungen an Mitarbeiter. Vor einigen Wochen war ich zum Beispiel in einen Recruitingprozess bei einem Unternehmen eingebunden - die Jobprofile mussten alleine während des Prozesses mehrfach angepasst werden, und die Kandidaten mussten sich auf immer neue Fragen einstellen. Früher hätte man gesagt, dass das Unternehmen sich erstmal klar darüber werden solle, was sie wirklich wollen. Doch heute ist es fast unmöglich, zu Beginn einer Recruitingmaßnahme zu wissen, was genau der Mitarbeiter am Ende mitbringen muss. In Folge davon verabschieden sich viele Unternehmen von starren Kompetenzprofilen und suchen immer mehr nach passenden Persönlichkeiten. 

Routinen bestimmen unseren aktuellen Alltag

Seien wir doch mal ehrlich: in Zeiten, wo auch wirklich jedem Mitarbeiter bewusst wird, dass sein Arbeitsalltag aus Routinen, Standardprozessen und immer gleich Abläufen besteht, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit durchaus erlaubt und angebracht. Mir ist bewusst, dass Routinen für viele Menschen eine Art der Sicherheit darstellen. Nur zu gut kenne ich die Diskussion und Entrüstung, die aufbrandet, wenn zum Beispiel nur ein Bestellformular verändert und in der Regel digital optimiert wird. In diesen Momenten zeigt sich sehr deutlich, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Viele lieben es einfach - oder glauben es zu lieben -, wenn alles so bleibt, wie es ist. Doch immer wieder höre ich auch von Mitarbeitern, dass die aktuellen Prozesse und Vorgaben ermüden, sowieso nicht richtig sind und den eigenen Arbeitsalltag zu einer Qual werden lassen. Erinnern Sie sich doch mal, wann Sie sich das letzte Mal mit einer Kollegin oder einem Kollegen genau darüber in der Teeküche echauffiert haben.

Vor geraumer Zeit war ich für ein Unternehmen gebucht, in dem es um die Digitalisierung von Dokumentationen und Bestellvorgängen ging. Im Rahmen eines Workshops stellten wir den Bedarf und die Anforderungen an die neuen Lösungen fest. Alle waren sich einig, so solle es in Zukunft gehen. Es kam der Tag, an dem die neuen Formulare vorgestellt und eingeführt wurden. Und was geschah? Ein Großteil der Mitarbeiter, die auch an der Erarbeitung der Ergebnisse des Workshops beteiligt waren, sagten nun, das ginge so nicht. Plötzlich waren sie sich sicher, das Umstellen werde die Qualität der Arbeit mindern und überhaupt habe man Besseres zutun, als irgendwelche Datenblätter nach einer bestimmten Vorgabe auszufüllen. 

Gefühlt standen wir nun in einer Sackgasse. Um das auszugleichen haben wir die Ängste der Mitarbeiter und ihre Befürchtungen ernst genommen. Innerhalb eines weiteren Workshops haben wir ihnen aufgezeigt, warum die neuen Formen genau ihren Wünschen und Anforderungen entsprechen, welchen Mehrwert sie daraus für ihre tägliche Arbeit ziehen können und dass sich die Qualität wohl eher steigern wird. Zusätzlich coachten wir die Führungskräfte, die neuen Tools zu nutzen und im Sinne von Role Models mit gutem Beispiel voran zu gehen. 

Role Models helfen, die Angst vor New Work zu nehmen

Die Beständigkeit im Arbeitsalltag und das Festhalten an dem, wie es immer war, auch wenn es überhaupt nicht gut und effizient ist, steht offenbar diesem neuen Bewusstsein von New Work im starken Gegensatz gegenüber.

Doch was wäre, wenn Sie den neuen Ansätzen und Methoden nur für einen bestimmten Zeitraum eine Chance geben würden? Was würde wohl passieren? Vermutlich nichts, außer dass Sie sich in eine neue und andere Richtung bewegen. Role Models sind ein wesentlicher und nachhaltiger Bestandteil des neuen Bewusstseins. Sie leben New Work vor und nehmen so die Angst. Denn Angst ist es, die viele Mitarbeiter und auch Manager daran hindert, sich dieser neuen Richtung zu öffnen. Oft merken sie dadurch nicht, dass sie großen Schaden für sich und auch für die Unternehmen anrichten.

In Zeiten eines Arbeitnehmermarktes, von Disruption und einer unaufhaltsamen technischen Entwicklung in Richtung Singularität ist es sträflich, sich nicht neuen Denkweisen, neuen Ansätzen und Arbeitsweisen zu öffnen. 


Die Arbeitswelt, wir wir sie kannten


Auch wenn es schwer fällt, so müssen wir uns doch von der Arbeitswelt, wie wir sie kannten und mit der wir groß geworden sind, verabschieden. Und um nicht mit ihr unterzugehen, die eigenen Werte zu verleugnen oder den eigenen Weg zu verlassen, sollten wir uns wieder auf unsere ureigensten Kompetenzen besinnen. Und diese sind nicht Routinen und Standardprozesse.

Vielmehr sind es Kreativität, Empathie, Analysefähigkeit, Charisma, Leadership und vieles mehr ... das sind die Kompetenzen, die uns inne wohnen. Wir alle haben bestimmte Stärken und Vorlieben, doch wir haben im Laufe der Jahre gelernt und uns entsprechend angepasst, uns nur innerhalb eines bestimmten Schemas zu bewegen. 

  • Wer heute und in Zukunft bestehen will, muss sich wieder auf die eigenen inneren Stärken besinnen.
  • Wer an alten Routinen der Routinen willen festhält, wird verlieren.
  • Wer sich auseinandersetzt mit dem, was er tut, wie er es tut und warum er es tut, der wird auf der Seite der Gewinner stehen. 

New Work bedeutet nicht, dass wir alles verändern oder alles zerschlagen, um etwas neues entstehen zu lassen. New Work bedeutet, dass wir Bisheriges hinterfragen und in mehr Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit führen. 

Lerne wie Du New Work in Deine Führungsarbeit integrierst

In nur 10 Lektionen zeige ich Dir, was New Leadership ist, welche Methoden und Tools es gibt und wie Dur diese optimal in Deinen Alltag integrierst. 

>

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst Du sich damit einverstanden.

Schließen